Meine größten Schätze...

In diesem heiligen Raum möchte ich Euch ein paar Geschichten näher bringen, die die Menschen weiter getragen haben. Sie sind kostbar, weil sie nichts kosten und doch kosten sie manch unglücklichen Menschen ein zufriedenes Leben, weil sie nicht verstehen was wirklich wichtig ist. Geschichten, Erzählungen und deren Wahrheiten, sind eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Jeder sieht die Welt mit seinen Augen und trägt diese Erfahrungen weiter. An dieser Stelle lege ich Eure Augen in Eure Hände...

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Die 3 Siebe

Ein alter Mönch sagte einmal zu seinem Schüler:

Und bedenke immer bevor Du zu den Menschen sprichst oder ihnen schreibst, lasse all Deine Gedanken durch die 3 Siebe rieseln und frage dich:

1.       Ist es WAHR (wahrhaftig) was du sagst?

2.       Ist es GUT? (gütig)

3.       WOZU dient es?

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Der Indianer und die Grille

Ein Indianer besucht einen weißen Mann. In einer Stadt zu sein, mit dem Lärm, den Autos und den vielen Menschen - all dies war ganz neuartig und auch verwirrend für ihn. Die beiden Männer gingen die Straße entlang. As plötzlich der Indianer seinem Freund auf die Schulter tippte und ruhig sagte: "Hörst du auch, was ich höre?" Der Freund horchte und sagte: "Alles, was ich höre ist das Hupen der Autos und das Rattern der Omnibusse.""Ich höre ganz in der Nähe eine Grille zirpen." "Du musst dich täuschen, hier gibt es keine Grillen. Und selbst, wenn es eine gäbe, würde man ihr Zirpen bei dem Lärm nicht hören. Der Indianer ging ein paar Schritte und blieb vor einer Hauswand stehen. Wilder Wein rankte an der Mauer. Er schob die Blätter auseinander - und da saß tatsächlich eine Grille. Der Weiße sagte: "Indianer können eben besser hören als Weiße." Der Indianer erwiderte: "Du täuschst dich. Ich will es dir beweisen." Er warf ein 50-Cent-Stück auf das Pflaster. Es klimperte auf dem Asphalt, und die Leute, die mehrere Meter entfernt gingen, wurden auf das Geräusch aufmerksam und sahen sich um. "Siehst du," sagte der Indianer, "das Geräusch, das das Geldstück gemacht hat, war nicht lauter, als das der Grille. Und doch hörten es viele der weißen Männer. Der Grund liegt darin, dass wir alle stets gut hören, worauf wir zu achten gewohnt sind."

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Der Schuster und der Schneider

Zum Arzt kam ein Schuster, der unter starken Schmerzen litt und dem Tode nahe schien. Der Arzt gab sich Mühe, fand aber kein Rezept, das noch hätte helfen können. Ängstlich fragte der Patient: "Gibt es nichts mehr, was mich retten kann?" Der Arzt antwortete: "Ich kenne leider keine anderen Mittel." Darauf antwortete der Schuster: "Wenn nichts mehr hilft, dann habe ich zum Schluss noch einen Wunsch. Ich möchte einen Eintopf mit zwei Kilo dicken Bohnen und einem Liter Essig." Der Arzt hob resigniert die Schultern: "Ich halte nicht viel davon, aber wenn sie meinen, können sie es versuchen." Die Nacht über wartete der Arzt auf die Todesnachricht. Am nächsten Morgen aber war der Schuster zum Erstaunen des Arztes quicklebendig und gesund. So schrieb er in sein Tagebuch: Heute kam ein Schuster zu mir, für den es keine Mittel mehr gab. Aber zwei Kilo dicke Bohnen und ein Liter Essig haben ihm geholfen. Kurze Zeit darauf wurde der Arzt zu einem schwerkranken Schneider gerufen. Auch in diesem Fall war er am Ende seiner Kunst. Als ehrlicher Mann gestand er dem Schneider dies ein. Der bettelte: "Wissen sie nicht doch noch eine andere Möglichkeit?" Der Arzt dachte nach und sagte: "Nein, aber vor nicht allzu langer Zeit kam ein Schuster zu mir, der unter ähnlichen Beschwerden litt wie sie. Ihm halfen zwei Kilo Bohnen und ein Liter Essig." "Wenn nichts mehr hilft, werde ich das halt versuchen," antwortete der Schneider. Er ass die Bohnen mit dem Essig und war am nächsten Tage tot. Daraufhin schrieb der Arzt in sein Tagebuch: Gestern kam ein Schneider zu mir. Ihm war nicht zu helfen. Er ass zwei Kilo dicke Bohnen mit einem Liter Essig und er starb. 
Was für die Schuster gut ist, ist nicht gut für die Schneider.

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Was ist das Leben?

An einem schönen Sommertage war um die Mittagszeit eine Stille im Wald eingetreten. Die Vögel steckten die Köpfe unter die Flügel. Alles ruhte. - Da steckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte:

"WAS IST DAS LEBEN"

Alle waren betroffen über diese schwere Frage. Eine ROSE entfaltete gerade ihre Knospe und schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie sprach: "Das Leben ist eine Entwicklung."

Weniger tief veranlagt war der SCHMETTERLING. Lustig flog er von einer Blume zur anderen, naschte da und dort und sagte: "Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein."

Drunten am Boden schleppte sich eine AMEISE mit einem Strohhalm, zehnmal länger als sie selbst, und sagte: "Das Leben ist nichts als Mühe und Arbeit."

Geschäftig kam eine BIENE von einer honighaltigen Blume zurück und meinte dazu: "Das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen." Sie stellte sich vor, wenn sie den Honig aus der Blume holt, das sei Vergnügen, aber wenn sie Waben baut, das sei Arbeit.

Wo so weise Reden geführt wurden, steckte der MAULWURF seinen Kopf aus der Erde und sagte: "Das Leben ist ein Kampf im Dunkel." Dann verschwand er.

Die ELSTER, die selbst nichts weiß und nur vom Spott der anderen lebt, sagte: "Was ihr für weise Reden führt! Man sollte wunder meinen, was ihr für gescheite Leute seid"

Es hätte nun einen großen Streit gegeben, wenn nicht ein feiner REGEN eingesetzt hätte, der sagte: "Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen." Dann zog er weiter zum Meer.

Dort brandeten die WOGEN und warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen, kletterten daran in die Höhe und warfen sich dann wieder mit gebrochener Kraft ins Meer zurück und stöhnten: "Das Leben ist ein stets vergebliches Ringen nach Freiheit." Hoch über ihnen zog majestätisch ein ADLER seine Kreise, der frohlockte: "Das Leben ist ein Streben nach oben"

Nicht weit davon stand eine WEIDE, die hatte der Sturm schon zur Seite geneigt. Sie sprach: "Das Leben ist ein Sich-Neigen unter eine höhere Macht"

Dann kam die NACHT: - In lautlosem Fluge glitt ein UHU durch das Geäst des Waldes und krächzte: "Das Leben heißt, die Gelegenheit nutzen, wenn die anderen schlafen." -Schließlich wurde es still im Walde.-

In der Schule löschte der PROFESSOR, der über den Büchern gesessen hatte, die Lampe aus und dachte: "Das Leben ist eine Schule."

Nach einer Weile ging ein MANN durch die menschenleeren Straßen nach Hause. Er kam von einer Lustbarkeit und sagte vor sich hin: "Das Leben ist eine fortwährende Jagd nach Vergnügen und eine Kette von Enttäuschungen."

Morgens wehte ein leichter WIND durch die Straßen, der meinte: "Das Leben ist ein Rätsel."

Auf einmal flammte die MORGENRÖTE in ihrer vollen Pracht auf und sprach: "Wie ich, die Morgenröte, der Beginn des kommenden Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit."

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Die Frau am Ufer des Flusses

Zwei junge Mönche schwören einander, niemals eine Frau zu berühren. Es ist ein leidenschaftlicher und allumfassender Entschluss, dem sie beide lange Zeit treu bleiben. Eines Tages aber, als sie auf einer Reise gerade einen Fluss überqueren wollen, der Hochwasser hat, sehen sie eine außergewöhnlich schöne, junge Frau näher kommen, die sie darum bittet, ihr beim Überqueren der tosenden Fluten zu helfen. Sie erklärt, dass sie den Fluss unbedingt überqueren muss, um ihrem kranken Vater Hilfe zu bringen. Doch da sie alleine ist und zart, wagt sie es nicht. Der erste Mönch hört noch nicht mal auf die Worte der jungen Frau, sondern geht in den Fluss und durchquert ihn. Der zweite Mönch nimmt die Frau auf seine Arme und trägt sie, langsamer, mühsamer und mit Hilfe eines Seils, ans andere Ufer. Die junge Frau dankt ihm und entfernt sich rasch. Die beiden Mönche machen sich wieder auf den Weg. Mehr als eine Stunde lang sagen sie kein Wort. Plötzlich kann der erste Mönch sich nicht mehr beherrschen und macht seinem Begleiter wütende Vorwürfe: „Wie hast du deinen Schwur brechen können? Deinen heiligen Schwur? Diesen Schwur, den wir gemeinsam abgelegt haben. Schämst du dich nicht? Wie hast du diese Frau in deine Arme nehmen können? „Ach“ sagte der andere, „du denkst also immer noch an sie? Ich habe sie am Fluss zurückgelassen, doch du trägst sie immer noch.“ 

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Früher und heute

Zwei Städte an der Donau. Sie trennen sich nur durch die Stadtgrenzen, die im Mittelalter durch ein großes Tor gekennzeichnet wurden. Natürlich herrschte auch früher schon eine Rivalität: Wer ist die bessere Stadt und wie können wir den anderen eins auswischen. Eines frühen Morgens standen an der Grenze zur linken Stadt alte, kaputte Möbel, eine kaputte Kutsche und Unmengen von Müll vor den Toren. Die Stadt war empört und veranstaltet eine Sitzung in der besprochen werden sollte, wie man auf diese Frechheit reagieren soll. Stimmen aus den hinteren Reihen. „Wir schaffen über Nacht den Schrott zurück und werfen es vor ihr Rathaus.“ „Wir überfallen sie und zünden ihre Häuser an.“ Es wurde endlos diskutiert, bis der General alle zusammen in einen Kreis rief und etwas vor sich hin tuschelte. Die Menge blickte sich an und beschloss einstimmig, dass das Vorhaben des Generals umgesetzt wird. Der nächste Morgen brach herein. Vor den Toren der rechten Stadt, standen zum Erstaunen aller prächtige Schränke und eine wunderschöne Kutsche an der ein Zettel haftete: „Jeder gibt das, was er geben kann und was in ihm ist.“

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Die zwei Schiffe

Zwei Schiffe steuern in der Nacht auf hoher See aufeinander zu. Der zweite Staff Kapitän, der gerade das Kommando über das Schiff hat, funkt das andere Schiff an. "Sie befinden sich auf unserem Kurs. Bitte korrigieren sie um 15 Grad Nord.“ Eine Stimme spricht nach kurzem Rauschen zurück: „Sie befinden sich auf unserem Kurs. Bitte korrigieren sie ihren Kurs auf 15 Grad Süd.“ Der 2. Staff Kapitän spricht empört zurück. Ich wiederhole: „Sie befinden sich auf unserm Kurs. Korrigieren sie ihren Kurs auf 15 Grad Nord.“ Gespannt lauscht er der Antwort. "Sie befinden sich auf unserem Kurs. Bitte korrigieren sie auf 15 Grad Süd." Der zweite Staff Kapitän läuft aufgebracht zum Kapitän und schildert die Situation. Dieser setzt sich seine Mütze auf und nimmt energievoll das Mikrofon in die Hand: "Hier spricht der Kapitän der USS 799. Ich fordere sie letztmalig auf ihren Kurs auf 15 Grad Nord zu ändern. Die Stimme von der anderen Seite antwortet: "Werter Kapitän der USS 799, ich fordere sie letztmalig auf, ihren Kurs zu ändern auf 15 Grad Süd. Hier spricht der Leuchtturm.“

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Das Wesentliche

Ein alter Araber von erbärmlichen Äußeren, der sich sein täglich Brot erbettelte, ging durch die Straßen einer Stadt. Niemand schenkte ihm die geringste Aufmerksamkeit. Ein Passant sagte sogar mit richtiggehender Verachtung zu ihm: „Was machst du hier? Du siehst doch, dass dich niemand hier kennt!“ Der arme Mann betrachtete gelassen den Passanten und antwortete: „Was kümmert es mich? Ich kenne mich selbst, und das genügt mir. Das Gegenteil wäre furchtbar: Wenn alle mich kennen würden und ich nichts von mir wüsste. 

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Der Himmel des Sperlings

Es gab einen winzigen kleinen Sperling, der sich auf den Boden warf und die Krallen in die Höhe streckte, als es bei einem Unwetter donnerte. „Warum machst du das?“ fragte ihn ein Fuchs. „Um die Erde zu schützen, die so viele Lebewesen trägt“ antwortete der Sperling. „Wenn unglücklicherweise der Himmel plötzlich herunterfällt, was meinst du wohl, was geschieh? Also hebe ich meine Beine, um ihn abzustützen.“ „Deine mageren Beinchen sollen den riesigen Himmel stützen?“ fragte der Fuchs. „Jeder auf dieser Welt hat seinen eigenen Himmel.“

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Die verfeindeten Bauern

Bauer Kirschbaum wollte am frühen Morgen seiner Arbeit nachgehen. Er öffnete die Tür und stand bis zu den Knien in Kuhscheiße. Er wusste sogleich, dass diese List von seinem Nachbarn, Bauer Holzwurm ausging und setzte sich an seinen Schreibtisch, um ihm einen Brief zu schreiben.

"Lieber Nachbar, vielen Dank für Deine Überraschung vor meiner Türe. Ich habe die Kuhkacke sogleich aufs Feld getragen, auf dass sie mir viele Früchte bringen wird."

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Die Odyssee der Liebe

Vor langer, langer Zeit existierte eine Insel, auf der alle Gefühle und Lebensumstände der Menschen lebten: Die gute Laune, die Traurigkeit, das Wissen ... und so wie alle anderen Gefühle auch die Liebe. Eines Tages wurde den Gefühlen mitgeteilt, dass die Insel sinken würde. Also bereiteten alle ihre Schiffe vor und verließen die Insel. Nur die Liebe wollte bis zum letzten Augenblick warten. Bevor die Insel jedoch gänzlich sank, bat die Liebe um Hilfe. Der Reichtum fuhr auf einem luxuriösen Schiff an der Liebe vorbei. Sie fragte: „Reichtum, kannst Du mich mitnehmen?“ „Nein, ich kann nicht.“ „Auf meinem Schiff habe ich viel Gold und Silber, da ist kein Platz für Dich.“ „Ich würde sinken, wenn auch noch die Liebe an Bord wäre!“ Also fragte die Liebe den Stolz, der auf einem wunderbaren Schiff vorbeikam. „Stolz, ich bitte Dich, kannst Du mich mitnehmen?“ „Liebe, ich kann Dich nicht mitnehmen, antwortete der Stolz, hier ist alles so perfekt, Du könntest mein Schiff beschädigen.  Nein, auf keinen Fall kann ich das Risiko einer Beschädigung in Kauf nehmen.“ Also fragte die Liebe die Traurigkeit, die an ihr vorbeiging. „Traurigkeit, bitte nimm mich mit.“ „Oh Liebe,“ sagte die Traurigkeit, „ich bin so traurig, dass ich alleine bleiben muss.“ „Nein, die Liebe, könnte mich verschlingen. Doch wo wäre ich dann?“ Auch die gute Laune ging an der Liebe vorbei, aber sie war so zufrieden und gut gelaunt, dass sie nicht hörte, als die Liebe rief. Plötzlich sagte eine Stimme: „Komm Liebe, ich nehme Dich mit.“ Es war ein Alter, der sprach. Die Liebe war so dankbar und so glücklich, dass sie vergaß den Alten nach seinem Namen zu fragen. Als sie an Land kamen, ging der Alte davon. Die Liebe bemerkte, dass sie ihm viel schuldete und fragte das Wissen: „Wissen, kannst Du mir sagen, wer mir geholfen hat?“ „Es war die Zeit“ antwortete das Wissen. „Die Zeit?“ fragte die Liebe. „Warum hat die Zeit mir geholfen?“ Und das Wissen antwortete: Weil nur die Zeit versteht, wie wichtig die Liebe im Leben ist!

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Der Preis des Dufts

Ein bettelarmer Mann, der nur ein Stück Brot in seiner Hand hatte, näherte sich einem Küchenfenster und hielt dieses Stück Brot lange in den köstlichen Duft, der den Öfen entstieg. Dann aß er es. Der Koch aber hatte dies beobachtet, ließ ihn von zwei Küchenjungen ergreifen und verlangte von ihm, den Duft zu bezahlen. Da der Arme nicht bezahlen konnte, wollte man ihn schon misshandeln, doch da sagte er: „Hat einer von euch eine Münze? Dann soll er sie mir einen Augenblick leihen.“ Man gab ihm die Münze. Er warf sie auf die Fliesen und sagte zum Koch: „ Hör dir dieses Geräusch an. Damit bist du bezahlt.“

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Der traurige Irrtum

Ein kleiner Händler namens Paul hatte nur ein einziges Ziel: reich zu sein. Er sparte Groschen für Groschen, knauserte mit einer außerordentlichen Beharrlichkeit an seiner Wohnung, an seinen Kleidern und seiner Nahrung. Alles erschien ihm zu aufwendig und zu teuer. Selbst das Notwendigste hielt er für überflüssig. Er führte ein elendes Leben. Nachdem er etwas dreißig Jahre so gelebt hatte, war Paul, wie er es vorausgesehen hatte, reich. Und von einem Moment zum anderen änderte er sein Leben: Er hört auf zu arbeiten, ging zum Friseur und zur Maniküre, kaufte sich äußerst luxuriöse Kleider bei den Pariser Schneidern und reiste an der Côte d´Azur. Als er an seinem ersten Tag in Nizza mit makellosen Schuhen, enger Hose, einer neuen Weste aus bestem schottischem Tweed, mit Krawatte, Spazierstock und Hut aus einem sehr großen Hotel trat und auf die Promenade ging, wurde er von einer Kutsche angefahren. Der Schock war tödlich. Paul lag auf der Straße, atmete kaum noch, lag im Sterben. Sofort umringten ihn mitleidige Gaffer. Da hob Paul, gezeichnet vom Schmerz, die Augen, die mit besonders bitteren Tränen gefüllt waren, zum Himmel und rief aus: „Warum?“ Warum hast du mich heute mit dem Tod gestraft?“

Und zum großen Erstaunen der Gaffer öffneten sich die Wolken einen Spalt, und die Stimme Gottes antwortete: „Um die Wahrheit zu sagen, Paul, ich habe dich nicht erkannt.“

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Eine Fabel über die Liebe, oder doch die Wahrheit?

Eines Tages entschloss sich der Wahnsinn, seine Freunde zu einer Party einzuladen. Als sie alle beisammen waren, schlug die Lust vor, Verstecken zu spielen. "Verstecken? Was ist das?" fragte die Unwissenheit. "Verstecken ist ein Spiel: einer zählt bis 100, der Rest versteckt sich und wird dann gesucht," erklärte die Schlauheit. Alle willigten ein bis auf die Furcht und die Faulheit.Der Wahnsinn war wahnsinnig begeistert und erklärte sich bereit zu zählen.Das Durcheinander begann, denn jeder lief durch den Garten auf der Suche nach einem guten Versteck. Die Sicherheit lief ins Nachbarhaus auf den Dachboden, man weiß ja nie. Die Sorglosigkeit wählte das Erdbeerbeet. Die Traurigkeit weinte einfach so drauf los. Die Verzweiflung auch, denn sie wusste nicht, ob es besser war sich hinter oder vor der Mauer zu verstecken. "...98,99,100!" zählte der Wahnsinn. "Ich komme euch jetzt suchen!" Die erste, die gefunden wurde, war die Neugier, denn sie wollte wissen, wer als erster geschnappt wird und lehnte sich zu weit heraus aus ihrem Versteck. Auch die Freude wurde schnell gefunden, denn man konnte ihr Kichern nicht überhören. Mit der Zeit fand der Wahnsinn all seine Freunde und selbst die Sicherheit war wieder da. Doch dann fragte die Skepsis: "Wo ist denn die Liebe?" Alle zuckten mit der Schulter, denn keiner hatte sie gesehen. Also gingen sie suchen. Sie schauten unter Steinen, hinterm Regenbogen und auf den Bäumen. Der Wahnsinn suchte in einem dornigen Gebüsch mit Hilfe eines Stöckchens. Und plötzlich gab es einen Schrei! Es war die Liebe. Der Wahnsinn hatte ihr aus Versehen das Auge rausgepiekst. Er bat um Vergebung, flehte um Verzeihung und bot der Liebe an, sie für immer zu begleiten und ihre Sehkraft zu werden. Die Liebe akzeptierte diese Entschuldigung natürlich.

Seitdem ist die Liebe blind und wird vom Wahnsinn begleitet..

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Die Belohnung

Ein Regentropfen fiel ins Meer und rief: „O Meer! So wenig bin ich angesichts deiner Unendlichkeit.“ Dieser Wassertropfen wurde von einer Muschel aufgenommen und gespeist. Er verwandelte sich in eine prächtige Perle, die schließlich an der Krone eines Königs funkelte. Lebendig, sichtbar kostbar und einzigartig- weil er sich als Nichts bezeichnet.

 

 

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Das Buch und der Schlüssel

Ein Dialog zwischen zwei Mönchen: "Ich werde das Buch der Wahrheit für tausend Goldstücke verkaufen, und einige Menschen werden sagen:" „Das ist nicht teuer.“ „Und ich,“ sagt der andere Mönch, „werde den Schlüssel liefern, der zum Verständnis des Buches notwendig ist, und einige Menschen werden ihn nicht wollen, selbst wenn er umsonst ist. 

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Die Häsin und die Löwin

Eine Häsin trifft auf eine Löwin und sagt: „Jedes Jahr werfe ich viele Junge, und du wirfst nur ein einziges!“ „Das stimmt,“ antwortete die Löwin. „Ich werfe nur eines. Aber es ist ein Löwe.“

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Wer ist der Größte?

Eine Geschichte der Inuit hat diese Frage aufs Beste beantwortet:

In voller Größe fuhr der Vollmond in seinem Schlitten über den Himmel und prahlt in einer Tour: „ Ich bin der Größte! Ich bin größer noch als die Sonne!“ Ein winzig kleiner See inmitten der Tundra hörte die Prahlerei des Mondes und sagte: „Du eitler Geck! Sieh mich an, dann merkst du, dass ich der Größte bin!“ Der Mond neigte sich zur Erde und sah im See sein Spiegelbild. „Ich bin größer als du,“ ergänzt der See, „denn du bist in mir, und ich habe noch viel Platz.“ Der Mond und der See stritten sich so heftig, dass sie ein kleines Nagetier weckten, das seinen Winterschlaf hielt. Es kam aus dem Bau, streckte sich und gähnte so stark, dass sich sein linkes Auge schloss. Mit seinem rechten Auge aber betrachte es erst den See, dann den Mond und rief: „ In Wirklichkeit ist mein rechtes Auge das Größte, denn es kann gleichzeitig den Mond und den See aufnehmen!“ Eine Eule, die in der Gegend jagte, hörte das Nagetier, stürzt sich drauf und verschlang es. „Nun sieht man, wer der Größte ist,“ sagte sie. Mein Magen, denn er fasst das Nagetier, sein Auge, den See und den Mond. 

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Der höchste Baum

In dieser Geschichte erzählt ein Reisender von den Wundern, die ihn verblüfft haben. „In einem fernen Hafen,“ sagte er, „habe ich ein Schiff gesehen. Das war so groß, dass ein Schiffsjunge, der vom Heck loslief, am Bug mit weißen Haaren ankam.“ Einer seiner Zuhörer sagt zu ihm: „Das ist doch nichts Besonderes. In einem Wald nicht weit von hier steht ein Baum, der so hoch ist, dass ein Vogel zehn Jahre fliegen muss, um seinen Wipfel zu erreichen.“ „Das ist eine Lüge!“ ruft der Reisende aus. „Einen so großen Baum gibt es nicht!“ „Ach,“ sagte der Andere, „und woraus ist dann der Mast deines Schiffes gemacht?“

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Der schwierige Kampf

Als ein Zenmeister erfuhr, dass einer seiner Schüler seit drei Tagen nichts gegessen hatte, fragte er ihn nach den Gründen für sein Fasten. „Ich versuche, gegen mein ICH zu kämpfen,“ erklärte der Schüler. „Das ist schwierig,“ sagte der Meister und schüttelte den Kopf. „Und es muss noch schwieriger sein mit einem leeren Magen.“

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Ein guter Schutz

Ein Mann umgab eines Tages sein Haus mit einem Ring von Brotkrümeln. Ein vorbeigehender Mann blieb stehen und fragte ihn nach dem Grund für dieses seltsame Verfahren. „Das ist zum Schutz vor Tigern!“ antwortet er. „Aber es gibt hier keine Tiger!“ „So ist es. Du siehst, es wirkt.“

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Der Tausendfüßler

Ein Tausendfüßler führte ein beschauliches Leben und widmete sich seinen verschiedenen Beschäftigungen bis zu dem Tag, als ihn eine Kröte fragte, die ihn oft hin und her laufen sah: „In welcher Reihenfolge, setzt du deine Füße in Gang?“ Der Tausendfüßler kehrte in seine Behausung zurück, zutiefst verstört durch die Frage der Kröte. Er versuchte eine Antwort zu finden, doch es gelang ihm nicht. Da blieb er blockiert in seinem Loch, unfähig, seine Füße in Bewegung zu setzen, und verhungerte. 

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Der Affe und das Messer

Ein Mann rennt aufgeregt auf einem marokkanischen Markplatz herum und brüllt: „Schnell! Schnell! Wir müssen etwas tun! Ein Affe hat sich gerade ein Messer genommen!“ „Keine Angst!" ,sagte ein alter Mann. „Solange es kein Mensch ist...“

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Im Regen gehen

Ein Mann ging langsam durch den Regen.

Ein eiliger Passant fragte ihn:

„Warum gehst du nicht schneller?“

„Da vorn regnet es auch",antwortete der Mann.

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Der Floh

Ein Wissenschaftler untersucht einen Floh vor sich. Er befielt ihm: „Spring!“, und der Floh springt. Der Wissenschaftler schreibt auf ein Blatt Papier: „Wenn man einem Floh befielt zu springen, dann springt er.“ Dann nimmt er den Floh und reißt ihm vorsichtig beide Beine aus. Er legt ihn wieder vor sich ab und befielt: „Spring!“ Der Floh bewegt sich nicht. Da schreibt der Wissenschaftler auf sein Blatt Papier: „Wenn man einem Floh die Beine ausreißt, dann wird er taub.“

 

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Nach dem Tod

Ein kurzer Dialog aus dem Zen: "Meister, was geschieht mit dem erleuchteten Menschen nach seinem Tod?" "Das weiß ich nicht."antwortet der Meister. "Seid ihr kein erleuchteter  Mensch?" "Doch. Aber ich bin nicht tot."